Hilfe zur Selbsthilfe in Japan
07/06/2011 10:00 am <>
Als OMF/ÜMG-Missionar John Elliott (Aomori, Nord-Honsu) begann, kleine Tische und Stühle für die Kinder in den Evakuierungszentren herzustellen, konnte er nicht ahnen, dass die Erwachsenen auch Interesse daran hatten.
Am 24. Mai bereiteten wir 12 Tische (ohne angeschraubte Beine) und Stühle für die Lieferung in ein Evakuierungszentrum in der Nähe der Stadt Rikuzentaka vor. Wir sägten auch Holz für 10 Tisch- und Stuhl-Bausätze vor, in der Hoffnung, einige der Bewohner im Zentrum beim Zusammenbau zu beteiligen. Der Plan war, Bausätze herzustellen, welche die Bewohner selber fertigstellen können, damit diese in ihrer Zeit in den Zentren etwas sinnvolles zu tun haben.
Wir fanden schnell Hilfe beim Befestigen der Tischbeine. Danach erklärte John die Bausätze und bat Freiwillige, um diese zusammenzusetzen. Bald waren alle Tische, die wir vorbereitet hatten, fertig.
Die Tische sind sehr einfach zu montieren, die Stühle jedoch sind schwieriger und erfordern Teamarbeit. Als ein Stuhl zusammengebaut wurde, bemerkte ich einen Mann, der sich zurückhielt, aber offensichtlich Interesse hatte. Sein Gesicht spiegelte Traurigkeit. Was er beobachtete schien ihn an etwas zu erinnern, was er verloren hatte.
Unsere Bemühungen, diesen Mann an der Arbeit zu beteiligen, blieben zunächst fruchtlos. Als John den zweiten Stuhl begann, bat er den Mann wieder, mitzuhelfen. Erneut zog sich der Mann zurück. John jedoch reichte ihm einfach einen Hammer und deutete an: "Hier, nimm ihn. Wir werden jetzt gemeinsam einen Stuhl bauen!” Als der Mann den Hammer nahm, blickte er diesen fast liebevoll an. John dachte: "Ich wette, dieser Mann ist ein Schreiner!" Es wurde bald klar, dass er sich mit Werkzeug und Material auskannte! Es wurde auch deutlich, dass er große Freude an seiner Arbeit hatte - er konnte das Lächeln nicht verbergen!
Die beiden arbeiteten sorgfältig zusammen, maßen nach, markierten, bohrten die Löcher vor und verleimten die Teile. Der Mann war glücklich, als der erste Stuhl fertig war. Er nahm den nächsten Bausatz, begann daran zu arbeiten und schloss die Arbeit mit einem breiten Lächeln und dem Applaus der Umstehenden ab.
Während der Arbeit am zweiten Stuhl bemerkte John, dass eine Dame ein Bild nach dem anderen von diesem Mann machte. Warum nur von ihm? John war mit einem anderen Freiwilligen mit einem Stuhl beschäftigt, von diesem Helfer wurden aber keine Bilder gemacht. Nach einer Weile setzte er sich neben die Dame und bemerkte: "Er scheint sehr glücklich zu sein.” Sie antwortete: “Ja, er ist glücklich. Vor dem Tsumami war er Schreiner. Dieser Herr ist mein Vater."
Als der zweite Stuhl fertig war, nahm er einen weiteren Bausatz, packte seine Tochter an der Hand und zog sie in den “Arbeitsbereich”. Er erklärte ihr die einzelnen Schritte - zeigte, wie man den Bohrer gerade hält um saubere Löcher zu bohren, wie man die maximale Leistung aus der Bohrmaschine holt, wie man den Hammer hält, um sie gerade ins Holz zu jagen. Auch dieser Stuhl war viel zu schnell fertig, aber die Tochter war glücklich und ihr Vater grinste über das ganze Gesicht.
Dieses Erlebnis ist eine gute Illustration zu Sprüche 12,14: “Wer Gutes sagt, lebt auch gut davon; wer Gutes tut, dem bringt es etwas ein.” (GN)
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