JAPAN - ein halbes Jahr später
11/09/2011 12:00 am <>
Anfang September hatten wir (Fam. Figilister) Gelegenheit, durch das Katastrophengebiet entlang der japanischen Pazifikküste zu reisen. Eines der Ziele unseres Roadtrips war es auch, dass Tina die Orte und Gebiete sehen konnte, in denen Samuel im März beim Aufräumen mitarbeitete. Auch sie war erschüttert von dem Bild, das sich uns entlang der Küste immer und immer wieder bot.
Praktisch alle losen Trümmer und Überreste sind verschwunden, aber die Fundamente zeugen immer noch von den zum Teil ganzen Städten, die einmal dort standen. Vor allem Rikuzentakata, das praktisch komplett ausgelöscht wurde, machte uns zutiefst betroffen. Man sieht, neben meterhohen Trümmerbergen, nur noch die grossen Gebäude wie Hotels oder Einkaufszentren, doch auch die sind bis mindestens zum vierten Stock verwüstet. Daneben ist nur Leere und verschiedentlich kleine Seen, wo einmal eine blühende Stadt war. Hier und dort liegt noch ein Autowrack irgendwo im Niemandsland oder ein Bagger ist dabei, Trümmer zu sortieren – aber sonst ist kein Leben mehr sichtbar.
Ein nicht so erschreckendes, aber doch ähnliches Bild bot sich in Kamaishi. Dort wurden die Gebäude bis zum zweiten Stock überflutet, es stehen aber viele noch. Während im März viele Menschen in der Stadt waren, um den Schutt wegzuräumen, sind die Strassen nun fast leer. Ab und zu finden sich einige Personen, meistens Arbeiter, zwischen den öden Ruinen. Noch hat die Stadtverwaltung nicht entschieden, ob sie diesen Stadtteil, der das Ortszentrum war, wieder aufbauen und aufleben lassen möchte.
Ermutigendes sahen wir bei einem Besuch in einem der vielen temporären Barackendörfer. Wir haben darüber gestaunt, wie professionell und ausgeklügelt diese Siedlungen sind – und dennoch Platz für 50 bis weit über 500 Personen bieten (im Bild Einheiten mit jeweils 6 Wohnungen). Doch was ihnen fehlt, sind Versammlungsorte, bzw. Anlässe, um sich zu treffen. Viele verbringen den Tag auf den wenigen Quadratmetern Wohnung, die ihnen geblieben sind. Deshalb hat die ÜMG und andere christliche Hilfsaktionen angefangen, Café's anzubieten. Zusammen mit Freiwilligen sind wir zu einem der Dörfer gefahren und haben dort zwei Pavillons und Tische und Stühle aufgebaut. Und kaum hatten wir begonnen, die Bewohner einzuladen, waren auch schon eine ganze Gruppe Grossmütter da, die ihre helle Freude an Seraina hatten.
Im Verlaufe der drei Stunden kamen dann auch einige Mütter und viele Kinder vorbei und blieben zum Teil lange Zeit. Man konnte regelrecht fühlen, wie es ihnen gut tat, miteinander auszutauschen und einfach zusammen sein zu können. Die Kinder freuten sich sehr über die Ballone, die wir mitbrachten. Mit den einen oder anderen Erwachsenen konnten wir auch gute Gespräche führen und eine Schweizer „Mehr als Schokolade und Käse“-DVD geben. Mit einer Frau hat Tina nun per Mail Kontakt.
Wir hoffen und beten, dass Menschen durch diese Cafés auf die Kirche aufmerksam werden und Hoffnung finden können: Hoffnung, die nicht an irdische Güter gebunden ist, sondern auf ein ewiges Leben in Gemeinschaft mit Gott ausgerichtet ist.
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