Ganbate nihon!
12/04/2011 4:30 pm <>
Es ist keine Frage: der 11. März 2011 hat und wird Japan massiv verändern. Das stolze und unabhängige Land wurde vom Erdbeben und vor allem vom Tsunami nicht nur physikalisch stark getroffen. Sondern auch die Gesinnung hat und wird sich verändern.
Über Nacht wurde aus einer von der Technik überzeugten Bevölkerung ein Volk, welches um seine Atomkraftwerke bangt; ein Volk, das realisiert, dass auch weltrekordgrosse Tsunamischutzbauten nur scheinbaren Schutz bieten. Dieser Glauben ist gebrochen – aber der Glaube an das „gemeinsam sind wir stark“ bleibt bestehen. „Ganbate nihon“ („Du schaffst es, Japan“) wurde zur Durchhalteparole, millionenfach in Kurznachrichten und im Internet verbreitet.
Nicht nur aus dem Ausland wurden grosse Beträge für den Wiederaufbau gesprochen. Sondern vor allem aus dem Inland fliessen unvorstellbare Geldbeträge. So hat zum Beispiel ein Mobilfunkkonzern 10'000'000 Schweizerfranken für den Wiederaufbau gespendet, sein Gründer weitere CHF 100'000'000, dazu kommen gratis Mobiltelefone(-telefonate) für Tsunamiwaisen bis sie volljährig sind. Obwohl zum Teil ganze Ortschaften mit 40'000 Einwohner praktisch komplett ausradiert sind, scheint das japanische Volk entschlossen, auch dort den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen.
Aber es wird lange dauern. Sehr lange, Experten sprechen von Jahren. Zur Zeit ist die japanische Wirtschaft unter Schock, erst langsam kommen die vorher gut geölten Warenkreisläufe wieder in Gang. So haben wir zum Beispiel auch einen Monat nach dem Beben keinen Orangensaft im Supermarkt. Aber zumindest müssen die Menschen in Nordjapan für 20 Liter Benzin nicht mehr 1 Stunde vor der Tankstelle anstehen.
Und irgendwann werden auch die Menschen den Schock tatsächlich verarbeiten müssen. Bereits heute spricht man von massiv erhöhten Selbstmordraten, sie werden weiter steigen. Die christliche Gemeinde in Japan ist gefordert, diesen Menschen vom Lebenssinn, der über die reine Existenz hinausgeht, zu erzählen. Gott sei Dank müssen sie diese Aufgabe nicht alleine bewältigen – noch nie in der Geschichte Japans wurde auf der ganzen Welt so konzentriert und intensiv für Japan gebetet. Es bieten sich viele neue Chancen und Möglichkeiten, Licht in das Leben der japanischen Menschen hineinzutragen. Meine Japanischlehrerin erwähnte heute, dass viele Japaner nur wenig vom Christentum wissen – aber das Kreuz auf der Kirche bedeutet für viele, dass sie dort Gebet und lebensnahe Hilfe erhalten können.
Beten wir also, dass sie diese christliche Hilfe suchen und die Christen sie mit Gottes Hilfe geben können. Und dass noch mehr Christen bereit werden, in die primär betroffenen Küstenregion zu ziehen und Salz und Licht für das Evangelium zu werden – es braucht mehr als 4 Christen für eine 40'000 Einwohner grosse Stadt! Ganbate, Christen!
Samuel Figilister, Sapporo
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