Berufen und dann doch nicht

Berufen, und dann doch nicht?

Hans Walter & Sabine

Kennen Sie diese Angst? Man meint eine Berufung, eine Beauftragung von Gott zu hören. Alles scheint ganz klar zu sein. Doch bevor man dann konkrete Schritte geht, ist sie da. Die Angst: und wenn alles doch meine eigene Idee war? Tausend Beispiele fallen einem ein, von Menschen, die etwas gewagt haben und dann gestrauchelt sind.

Unsere Geschichte könnte als so ein Beispiel missdeutet werden. Sabine in Südafrika und Hans Walter in Deutschland, gaben beide ihren Ingenieurberuf in gut bezahlten Positionen auf. Jesus hatte uns unabhängig voneinander in die Weltmission berufen. Wir lernten uns auf der Missionshochschule kennen und lieben. Als Ehepaar bewarben wir uns bei einer Missionsgemeinschaft und wurden angenommen. Türen taten sich auf, um als Fachkräfte in Indonesien zu dienen. Doch plötzlich kam das Aus, weil Hans Walter als Diabetiker nicht asientauglich ist. Hat sich Gott geirrt, wusste ER nicht von vornherein, dass Hans Walter nicht asientauglich ist? Würfelt Gott? Oder haben wir uns die Berufung eingebildet? Fragen über Fragen. Aber ist das nicht so ein Beispiel was davor zurückschrecken lässt, seiner möglichen Berufung zu folgen?

Da wir das obige Beispiel persönlich erlebt haben, wollen wir Ihnen die Sache aus unserer Perspektive schildern. Genauer betrachtet stand für uns die Frage im Raum, ob wir es Gott zutrauen, dass er unser Leben gut leiten kann und will. Als die unerwartete Nachricht kam, dass unser Weg nach Asien versperrt war, war unsere erste Reaktion: Frust, Angst, Trotz. Unsere Gemeinde nahm uns erst einmal liebend auf. Wir sahen keinen Sinn mehr darin morgens aufzustehen. Gott schenkte, dass wenn der eine von uns ganz am Ende war, der andere ihn doch etwas ermutigen konnte. Doch für uns schien Gott zu schweigen; wir hörten nur: "Folge mir nach".

Erst viel später erkannten wir, dass Schwierigkeiten uns dazu bringen sollen, ganz neu unser Vertrauen auf Gott allein zu setzen (2. Kor 1,8+9). Das ist die ganz große Chance wenn unsere Berufung scheinbar ins Wanken kommt. Wir sollen die Gegenwart unseres HERRN suchen und viel näher noch zu ihm hinwachsen.

Im Gespräch mit Jesus mussten wir zugestehen: Gott darf das. ER ist schließlich unser HERR. Wir hatten IHM unser Leben gegeben, ER hatte unser Leben erkauft. Ihm gehören wir, dann darf ER mit unserem Leben doch auch tun wie es IHM gefällt! Wir sind berufen Jesus nachzufolgen, das ist unsere eigentliche Berufung, wo und unter welchen Lebensumständen, können wir IHM getrost überlassen. Diese Erkenntnis fiel uns schwer und Gott ließ uns viel Zeit sie zu verdauen: "seid still und wisst, dass ich Gott bin".

Tage, Wochen und Monate vergingen und ganz plötzlich öffnete Gott eine neue Tür. Wir erhielten die Möglichkeit von der Heimatseite aus, ganz für Weltmission da zu sein und können so andere ermutigen mit ihren Berufen in "geschlossene Länder" zu gehen. Im Rückblick wird plötzlich klar, wir haben uns gar nicht verhört mit unserer Berufung, Gott hat sich gar nicht geirrt und auch nicht gewürfelt. Nein, Gott hat uns mitten in Weltmission gestellt und zwar an einen viel strategischeren Platz als wir uns das dachten. Also hatte sich nicht Gottes Berufung gewandelt sondern Gott musste unsere Vorstellungen von dieser Berufung wandeln.

Berufen, und dann doch nicht? Wir können diese Angst gut nachempfinden. Aber diese Angst ist nicht von Gott. Wenn Du meinst von Gott zu etwas berufen zu sein, dann prüfe, rede mit Geschwistern und Gemeindeleitern und bitte Gott Dir die Berufung deutlich zu bestätigen. Dann aber gehe, sei nicht unflexibel, sei bereit, dass Gott Deine Vorstellungen umwirft. Er liebt Dich und meint es gut mit Dir. Nein! Wir sind nicht ein Beispiel dafür, dass Gott sich geirrt hat. Es ist zwar immer ein Wagnis sich auf Gott einzulassen, aber in der Beziehung zu ihm blüht das Vertrauen. Wir wollen und können nur bestätigen: ER führt gut und sicher!

Hans Walter & Sabine