Islam
Der Islam begann in der arabischen Welt. Dennoch ist Südostasien die Region, in der die meisten Moslems leben. Ein Viertel der Moslems weltweit leben hier.
- Geschichte und Entstehung
- Der Islam in Ostasien
- Glaubensgrundsätze des Islam
- Warum ist der Islam attraktiv?
Geschichte und Entstehung
Der Islam wurde von Mohammed um 610 n.Chr. begründet. Mohammed wurde 570 in Mekka in Arabien (dem heutigen Saudi-Arabien) geboren. Die Religion dieser Gegend war eine überkommene Form von animistischem Semitismus, in dem es viele Götter, Gottheiten und Engel gab sowie einen obersten Gott, der Allah genannt wurde. Weit verbreitet war auch ein allgemeiner Fatalismus. Da die meisten der semitischen Völker Nomaden waren, gab es auch jüdische und christliche Gemeinden in Arabien. Mohammed war also umgeben von viel Religiosität unterschiedlicher Prägung, welche die Entwicklung des Islam beeinflusste.
Mohammed war ausgesprochen religiös, er fastete oft, hatte Träume und meditierte. Er glaubte ganz fest, dass es nur einen wahren Gott gibt, und war enttäuscht über die Vielgötterei seiner Umgebung. Als er 40 Jahre alt war, noch in der Zeit als er in Mekka lebte, begannen seine Offenbarungen (Mitteilungen von Gott). Zu Beginn war Mohammed unsicher über den Ursprung dieser Offenbarungen, ob sie göttlicher oder dämonischer Herkunft waren. Er gewann aber die Überzeugung, dass sie göttlichen Ursprungs waren, und empfing solche Offenbarungen bis zu seinem Tode. Manchmal wurden diese Offenbarungen durch einen Engel übermittelt. Später wurden sie aufgeschrieben und bildeten den Koran (das heilige Buch des Islam). Da Mohammed einen guten Ruf hatte, gewann er schnell einige Anhänger, aber die Vertreter der Vielgötterei wurden seine Gegner. Mohammed und seine Anhänger wurden verfolgt und mussten nach Medina fliehen.
In Medina gab es zwei Lager, aber die Mehrzahl glaubte, dass Mohammed ein Prophet war und gründete eine neue Gemeinschaft mit den Einwanderern aus Mekka. Dies war der offizielle Beginn der islamischen Welt. Man nimmt an, dass die jüdische Messiaserwartung die Annahme Mohammeds als Prophet positiv beeinflusst hat. Der Islam begann seine heutige Form zu entwickeln, dazu gehört die Einhaltung der Gebetsvorschriften, das Fasten, das Almosengeben und die Pilgerfahrt nach Mekka.
Die neue Religion wurde von den örtlichen jüdischen und christlichen Gemeinden nicht akzeptiert. Einige jüdische Sippen lehnten den Koran ab und widerstanden Mohammed. Das führte dazu, dass zwei jüdische Sippen geächtet wurden und es zu Blutvergiessen kam. Mohammed liess den Gedanken fallen, Jerusalem zum Zentrum der neuen Religion zu machen (Anbetung, Ziel der Pilgerfahrt). Mekka wurde zum Zentrum. Er kehrte mit Truppen nach Mekka zurück und nahm es ein. Mohammed behandelte die Einwohner Mekkas gut und so wurden die meisten Muslime. Viele arabische Stämme wurden ebenfalls bekehrt. Mohammed wurde der religiöse und politische Führer.
Als Mohammed im Jahre 632 starb, hatte er keinen Nachfolger bestimmt. So wählte das Volk Abu Bakr, einen der ersten Anhänger des Islam. Er regierte etwa zwei Jahre, weitere Kalifen (Nachfolger Mohammeds) folgten. Fragen bezüglich der Nachfolge, der Tradition und der Herrschaft spalteten den Islam in zwei Gruppierungen: die Sunniten und die Schiiten.
Der sunnitische Islam
Der sunnitische Islam erkannte die Kalifen als die Herrscher der Gläubigen an. Der Kalif wurde von dem Stamm gewählt, zu dem Mohammed gehört hatte. Die Kalifen waren keine Propheten, weil Mohammed das „Siegel der Propheten“ war, sie waren Schützer der Tradition, Leiter und Verwalter. Die Sunniten entwickelten ein Gesetzeswerk (Sharia), die Praxis und Glauben des Islam regelt. Das System der Kalifen wurde 1924 abgeschafft und die Herrschaft an die Regierungen der islamischen Staaten übertragen. Bedingung war, dass sie die Sharia beachteten. Heute sind etwa 90% der Muslime Sunniten.
Die Sharia wird heute in der islamischen Welt stark diskutiert. Einige islamische Wissenschaftler meinen, dass es einer neuen Interpretation des Gesetzeswerkes bedürfe, um eine politische, soziale und wirtschaftliche Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Der schiitische Islam
Etwa 10% der Muslime sind Schiiten. Sie sehen im „Imam“ (geistlicher Führer) den Führer und Nachfolger Mohammeds. Nach ihrer Ansicht wurde der Imam von Mohammed eingesetzt und hat von daher die ihm innewohnende Fähigkeit, den Koran fehlerlos zu interpretieren. Der erste Imam, Ali, war Mohammeds Vetter und man sagte ihm nach, dass er dessen geistliche Fähigkeiten geerbt habe.
Heute leben die meisten Schiiten im Iran. Sie glauben, dass jeder Imam göttlich berufen wird und geistlich in der erblichen Nachfolge von Mohammed steht. Die höchsten geistlichen Führer im Iran sind die Ayatollahs.
Der Sufismus
Der Sufismus ist eine dritte Tradition im Islam. Es ist keine Teilgruppe wie die Sunniten oder Schiiten, sondern eine geistliche Tradition, der jeder Moslem folgen kann. Sufismus ist eine mystische Lehre und Praxis, die sich auf die Liebe Gottes und die Suche nach einer engen Beziehung zu ihm gründet.
Dies ist insofern sehr bedeutsam, da das Gottesbild im Islam, Gottes Gerechtigkeit vor seiner Liebe betont. Sufis betrachten sich als Suchende und der Einzelne bezeichnet sich als jemand, der „versucht ein Sufi zu sein“. Ihr Weg beinhaltet das Streben nach geistlicher Reinigung durch Selbstverleugnung und Gebet. Man durchläuft verschiedene Stufen wie Reue, Umkehr, Armut und Liebe. Menschliche Anstrengung ist jedoch nicht ausreichend. Sufis suchen auch die Gnade Gottes, die ohne eigene Anstrengung empfangen wird. Diese Gnade zeigt sich in einer vertrauten Gottesbeziehung, Trennung von der Welt und rechter Erkenntnis. Der Sufismus ist in Ostasien weit verbreitet und hat viel zur Entwicklung des Volksislam beigetragen.
Islam in Ostasien
Der Islam begann in der arabischen Welt. Er breitete sich nach Mohammeds Tod nach Ägypten, Syrien, den Irak und den Iran aus. Innerhalb des folgenden Jahrhunderts erreichte er das heutige Afghanistan, Pakistan, Nordafrika, Spanien und Südfrankreich. Von Zentralasien kam er nach Nordostchina. Später erreichte er Indien, Indonesien, Malaysia und die Philippinen. Südostasien ist die Region, in der die meisten Moslems leben. Ein Viertel der Moslems weltweit leben hier. 40% der Gesamtbevölkerung Südostasiens ist islamisch. In allen ostasiatischen Ländern gibt es Moslems. Sie gehören zu über 100 verschiedenen ethnischen Gruppen.
Der Islam in Südostasien ist anders als der in der arabischen Welt. Die Kultur ist entspannter als im Mittleren Osten. Ausserdem ist aufgrund der Vielfalt der Religionen in den meisten dieser Länder der Islam nicht in ähnlicher Weise dominant. In vielen Gebieten ist der praktizierte Islam der Volksislam, d.h. eine Mischung von Islam und Animismus. Die Lehrsätze des Islams werden beachtet aber es kommen noch viele nicht-islamische Riten und Bräuche hinzu.
In Indonesien sind über 80% der Bevölkerung Muslime, dennoch ist es kein islamischer Staat. Im Grundgesetz ist die Religionsfreiheit verankert und einige der Gründungsväter waren Christen. Allerdings wird eine Islamisierung von Institutionen wie der Regierung und dem Militär beobachtet. Ein Malaie zu sein bedeutet gewöhnlich ein Muslim zu sein. In Malaysia sind 60% der Bevölkerung Moslems, in Brunei 64%. Islam ist die Staatsreligion in Brunei und der sunnitische Islam die offizielle Religion in Westmalaysia. In China sind einige der Minoritäts-Gruppen islamisch, besonders im Nordwesten. Vor dem 14. Jahrhundert waren einige dieser Minoritätsgruppen Christen gewesen. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der „ Chinesischen Religionen “ vermischten sie sich aber mit islamischen Gruppen.
Glaubens-Grundsätze des Islam:
- Der Islam lehrt, dass Jesus nicht Gottes Sohn ist und nicht gekreuzigt wurde. Man glaubt, dass er ein Prophet war, dessen Werk aber von Mohammed, dem letzten der Propheten, überholt wurde.
- Weitere Propheten waren Adam, Noah, Abraham und Johannes der Täufer.
- Der Koran ist nur in arabischer Sprache authentisch. Viele Leute in Ostasien lesen ihn ohne ihn zu verstehen.
- Muslime glauben, dass die frühen Bibeltexte ursprünglich dieselben waren wie ihre Bücher über die Propheten. Juden und Christen hätten sie dann aber verändert und deshalb seien sie nicht mehr vertrauenswürdig.
- Das islamische Gottesbild hat einige Gemeinsamkeiten mit dem christlichen. Historisch gesehen kann man sagen, dass es sich vom jüdischen und christlichen Gottesbild ableitet. Allerdings unterscheidet es sich auch deutlich, da es die Trinität Gottes leugnet, Gott nicht als Vater ansehen kann und keine ewige Beziehung zu Gott möglich ist.
Warum ist der Islam attraktiv?
- Er ist eine Religion der Überzeugungen und der Tradition.
- Er schafft ein Gefühl der Gemeinschaft und Identität.
- Das Gebet ist wichtig – Menschen können zu Gott reden.
- Er vermittelt ein Bild der Grösse Gottes.
- Er schafft ein Bewusstsein und eine Wertschätzung von geistlicher Realität.
