Chinesische Religionen

Die drei Hauptreligionen in China sind Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus. Nationale Minderheiten und Menschen in ländlichen Gebieten folgen
animistischen Religionen. Diese beinhalten Elemente des Buddhismus, Taoismus, Anbetung der Natur, Geister, Ahnen, Tiere und verschiedener Körperteile.

Konfuzianismus

Konfuzius (Kung fu zi) lebte von 551-479 v. Chr., zur selben Zeit wie Buddha (560-481 v.Chr.). Er wurde in einem Feudalstaat in der Provinz Shangdong geboren. Sein Vater war ein Krieger. Konfuzius zeigte als Schüler großes Können. Im Alter von 22 Jahren eröffnete er eine Schule. Viele Menschen kamen zu ihm wegen seiner Gelehrsamkeit und Weisheit. Er wurde zum Justizminister des Staates befördert und seine Amtzeit brachte dem Land Wohlstand und sittliche Ordnung.

Die Lehre des Konfuzius

  • Sorge für andere Menschen als grundlegende moralische Tugend.
  • Die Eltern ehren.
  • Richtiges Verhalten.
  • Mit anderen so umgehen, wie man es sich von anderen wünscht.
  • Herrschen mit Moral und Wohlwollen.

Die chinesische Feudalgesellschaft zu Konfuzius‘ Zeit war sehr instabil. Ordnung und Moral waren im Niedergang begriffen. Auf dem Lande gab es zunehmend Diebstahl und Räuberei und in den Städten wurde gemordet. Es war eine Kluft zwischen Arm und Reich und viele Arme hungerten, obwohl es genug Nahrungsmittel gab. Ein großer Teil der Gouverneure und Herrscher war korrupt und wurde von ihren Untertanen gehasst.

Der Himmel und das Göttliche

Frühe chinesische Schriften verweisen auf einen größten oder höchsten Gott mit vielen Namen wie zum Beispiel „Himmel“ oder „Kaiser des Himmels“. Konfuzius teilte diesen Glauben, indem er sagte: “Der, der sich am Himmel versündigt, hat niemand mehr, zu dem er beten kann.“ Der Himmel bestimmt das moralische Gesetz. Spätere Nachfolger sahen den Himmel als die göttliche sittliche Kraft des Kosmos, die perfekt ausgedrückt wird in der Harmonie mit der Menschheit.

Konfuzianismus heute

Der Konfuzianismus wurde während der Kulturrevolution (1966-1976) unterdrückt, gewann jedoch im späteren 20. Jahrhundert wieder mehr an Wertschätzung. Der wirtschaftliche Aufschwung in Asien wird zum Teil der konfuzianischen Ethik zugeschrieben und hier vor allem dem Konzept, dass die Gemeinschaft über dem Einzelnen steht.
Viele chinesischen Wertvorstellungen haben ihre Wurzeln im Konfuzianismus (z.B. Loyalität in der Familie). Genauso mögen Wertvorstellungen, die man dem Konfuzianismus zuschreibt, kulturelle Eigenschaften mit verschiedenen Auswirkungen sein (z.B. autoritäre Regierungen). Heute sieht man den Konfuzianismus als eine positive und ursprünglich chinesische Alternative zu den westlichen Einflüssen, die die alten Lebensweisen bedrohen.

Taoismus

Während der Konfuzianismus nach der vollkommenen edlen Menschlichkeit in der Welt sucht, schaut der Taoismus nach der universalen Einheit. Die ersten taoistischen Schriften vereinen die alten pantheistischen Überzeugungen, um eine ausdrücklich anerkannte Tradition zu schaffen.
Diese wurden im 5. Jahrhundert v.Chr. von Laotse geschrieben. Laotse lebte wie Konfuzius in einer Zeit großer sozialer Unruhen. Auf der Suche nach
Frieden, Einheit und Tradition wandte er sich an die Natur. Laotse und später Zhuangzi (3. Jahrhundert v.Chr.) entwickelte den Begriff des Dao (oder
Tao).
Es bedeutet soviel wie „der Weg“ oder „der richtige Weg“ und wird als die Kraft, die hinter der natürlichen Welt steht, verstanden. Es ist das Modell für die Menschheit, die Gesamtheit aller Dinge, die sind und die sich verändern. Das Tao ist der Weg des Universums. Die Welt bewegt sich in einem endlosen Kreislauf von Veränderung und Wechsel, ewig werdend und dann wieder vergehend, sich ausbreitend und wieder zusammenziehend.
Innerhalb dieser universalen Zyklen gibt es Unterschiede und Gegensätze.
Das Yin-Yang-Symbol drückt das gegensätzliche, aber dennoch ausgewogene Prinzip des Tao aus. Das Yin ist die dunkle Seite, der Hauch, der die Erde formte. Das Yang ist die helle Seite, der Hauch, durch den die Himmel geformt wurden. Die Wechselwirkung der beiden ist im ganzen Universum sichtbar: männlich und weiblich, heiß und kalt, reich und arm, hell und dunkel, gut und böse.
Laotse erklärt das Prinzip wie folgt: Das Tao (nicht existent) schaffte das Eine (existent), das Eine erzeugte die Zwei. Das Tao ist im Wesentlichen nicht erkennbar und unbegreiflich. Dennoch ist es offensichtlich in der natürlichen Welt und die Taoisten gestalten ihr Leben nach dem Muster des
Universums. Sie zielen darauf, ihr Leben in Übereinstimmung mit dem Tao zu leben. Das bedeutet, Harmonie zu erlangen innerhalb von sich selbst und innerhalb des Universums. Natürliche Ordnung und Gleichgewicht können sich in der Gesellschaft wiederspiegeln. Viele Dinge, die heute als ursprünglich chinesisch angesehen werden, wurden vom Taoismus angeregt und verstärkt. Darin eingeschlossen ist die Liebe zur Natur, zur Heilkräutermedizin, zur chinesischen Küche, zur Kampfkunst und Gymnastik.
Einige davon basieren auf dem Prinzip des Qi, der eigentlichen Energie des Körpers. Man glaubt, dass Tai Qi und Qigong dieser Energie helfen, den Körper zu durchfließen. Traditionelle Medizin arbeitet mit dem Prinzip, dass Krankheit durch ein blockiertes Qi hervorgerufen wird. Dieses "Durchfließen" steht auch im Zusammenhang mit dem Gedanken von "Wu Wei". Die Kunst des "Wu Wei" ist es, eine Handlung zu erreichen
durch "nichts tun". Schon die kleinste Aktivität erzeugt die verlangten Ergebnisse, weil dies Zwang vermeidet und es so ermöglicht, mit dem natürlichen Durchfluss zu arbeiten. Starkes Dagegenarbeiten würde vielleicht zu einer Blockade führen und deshalb keine Aktivitäten hervorbringen.

Einige Grundgedanken des Taoismus

  • Sei liebenswürdig zu allem in diesem Universum, um so mitzuhelfen die universale Harmonie aufrechtzuerhalten.
  • Lebe einen einfachen Lebensstil, der frei ist von aufwendigen Ambitionen und Träumen.
  • Sei bescheiden und nicht bestimmend oder beherrschend.

Diese Grundgedanken haben die Entwicklung von bestimmten chinesischen Prägungen beeinflusst: "Eine Person hat Angst davor berühmt zu sein, ein Schwein hat Angst davor fett und kräftig zu sein" (chinesisches Sprichwort). Das heißt, ein gesundes Schwein wird geschlachtet und gegessen, und ein erfolgreicher Mensch wird zur Zielscheibe für Neid werden. Viele Chinesen behalten ihre Leistung und ihre Gedanken für sich. Wenn Kinder
in einer Sache besonders gut und begabt sind, raten die Eltern ihnen manchmal bescheiden zu sein, sogar bis dahin, dass sie ihr Talent verbergen. Der Taoismus lehnt auch Wettbewerb, Ränge in der Gesellschaft, Luxus, Gewöhnlichkeit und Prahlerei ab. Laotse sagte, dass die höchste Ebene in der Gesellschaft die unsicherste sei. Jeder Mensch wolle sozusagen auf den Gipfel des Baumes, aber würde dies gelingen, würde der Baum brechen. Stattdessen sollten die Menschen sein wie das Wasser, das immer versucht auf der untersten Ebene zu fließen.

Geister, Götter, Unsterbliche

In der chinesischen Tradition gibt es viele Gottheiten und Geister. Für den Taoisten sind diese Geister alle verschiedene Manifestationen des einen unpersönlichen Tao. So entwickelte sich ein taoistisches Pantheon (Gesamtheit der Götter eines Volkes), in dem die Götter eine Rangordnung formen.
Himmlische Götter spiegeln irdische Beamte wieder, während Dämonen sozial Ausgestoßene und Kriminelle wiederspiegeln. Die Menschen suchen
Glück, Wohlstand und gute Gesundheit, indem sie Götter und Geister anbeten und beschwichtigen.

Taoismus heute

Im Kommunismus wurde der Taoismus als fatalistisch, abergläubisch und passiv gebrandmarkt. Er war nicht progressiv und geistig/sittlich genug, um brauchbar zu sein. Dennoch sind die vielen Einflüsse des Taoismus immer noch offensichtlich (z.B. Medizin, Qigong). Die meisten Menschen in China praktizieren diese Dinge in ihrem täglichen Leben.

Ahnenverehrung

Der Glaube im Altertum beinhaltete die Verehrung der verstorbenen Ahnen. Das Glück der Seelen der Verstorbenen hing vom Verhalten der lebenden Nachfahren ab. Es war deshalb die Pflicht eines jeden Menschen, ein gutes, rechtschaffenes Leben zu leben. Ahnenverehrung wird noch immer praktiziert. Für viele Leute ist es einfach eine Art des Aberglaubens, etwas das man tut für den Fall des Falles. Für andere Menschen ist es viel
wichtiger. So kann man in vielen Häusern einen kleinen Schrein finden, meist mit den Fotografien der Großeltern, auf dem Esswaren und Zigaretten geopfert werden. Am jährlichen Qing Ming Fest (Toten-Gedenktag) wird der Ahnen gedacht. Da werden die Gräber gereinigt und viele Feuerwerkskörper abgebrannt.
Die Christen werden angehalten, die Ahnen nicht zu verehren (wohl aber zu respektieren). Dies kann ein Grund sein für Spannungen in der Familie und oft auch eine Barriere für den christlichen Glauben allgemein.

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