Vietnam
Vietnam, offiziell „Sozialistische Republik Vietnam“, war im 20. Jahrhundert jahrzehntelang Schauplatz verschiedener Kriege. Die wenigen Christen leiden unter vielen Einschränkungen.
Bevölkerung
- Gesamtbevölkerung: 86,9 Millionen (Juli 2009) (Deutschland: 82 Mio.; Schweiz: 7,6 Mio.)
- Bevölkerungsdichte: 260 pro km² (Deutschland: 231, Schweiz: 181)
- Verstädterung: 28% (15% in den 1980ern)
- Die Bevölkerung Vietnams ist jung: 25% sind unter 14 Jahren, nur 5,7% über 65.
- 86,2% sind Vietnamesen, dazu kommen 53 anerkannte Minderheitenvölker. Die größten darunter sind die Auslandschinesen (Hoa), die Hmong, Thai, Khmer und die als Montagnards bekannten Bergvölker.
Religion
Das mag daran liegen, dass in Vietnam als kommunistischem Staat die Religionslosigkeit inoffiziell bevorzugt wird. Im Alltag sind die meisten Vietnamesen von einer Mischung aus Buddhismus, Taoismus, Animismus, Konfuzianismus und Ahnenverehrung geprägt.
Viele Menschen besuchen regelmäßig buddhistische Pagoden und verehren ihre Ahnen am hauseigenen Ahnenaltar.
Sprache
Die Nationalsprache ist Vietnamesisch. Die zahlreichen Minderheitenvölker haben zusätzlich ihre eigenen Sprachen.
Geographie
Es ist 1650 km lang und bis zu 600 km breit, an der schmalsten Stelle in der Mitte sind es nur 50 km. Vietnam wird deswegen auch als “Bambusstange mit zwei Reisschalen” beschrieben: Nördlich und südlich dieser Engstelle gibt es jeweils ein großes fruchtbares Flussdelta (Mekong und Roter Fluss), wo intensive Landwirtschaft möglich ist.
Diese Aufteilung in Nord- und Südvietnam ist nicht nur geografisch offensichtlich, sondern auch in kultureller und geschichtlicher Hinsicht bedeutsam.
Klima
Im Norden sind die Temperaturen subtropisch mit trockenen Wintern und feuchten Sommern. Der Süden ist heißer mit regnerischer Monsun-Zeit.
Geschichte
Nordvietnam war 1200 Jahre lang unter chinesischer Herrschaft, bis es im 10. Jahrhundert die Unabhängigkeit von China erlangte. Von nun an wurde es von wechselnden vietnamesischen Dynastien regiert.
Bis zum 17.Jh. nahm Nordvietnam die Königreiche des Südens ein und breitete sich schließlich bis ins untere Mekong-Delta aus. Ende des 19.Jahrhunderts wurde Vietnam französische Kolonie.
Die Viêt Minh („Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“) wurde 1941 aus nationalistischen und kommunistischen Gruppierungen gegründet, um die Unabhängigkeit Vietnams zu erreichen. 1945 erklärten die Viêt Minh im Norden die Errichtung der „Demokratischen Republik Vietnam” durch Präsident Ho Chí Minh.
Kurz darauf brach der 1. Indochina-Krieg (1946 - 1954) zwischen den Franzosen und den Viêt Minh aus, mit dessen Ende 1954 die Herrschaft Frankreichs ein Ende hatte.
Als Ergebnis der Friedensverhandlungen wurde Vietnam entlang des 17. Breitengrads in die nördliche „Demokratische Republik Vietnam” (Hauptstadt Hanoi, unterstützt von China und den Ostblockstaaten) und die südliche „Republik Vietnam” (Hauptstadt Saigon, unterstützt durch die USA) geteilt.
1979 veranlassten Konflikte mit dem Nachbarland Kambodscha Vietnam, in Phnom Penh einzumarschieren und eine pro-vietnamesische Regierung einzusetzen. Erst 1989 zog sich Vietnam aufgrund internationalen Druckes aus Kambodscha zurück.
1986 veranlasste die Kommunistische Partei Vietnams wirtschaftliche Reformen, die in den 90er Jahren zu einem rasanten Wirtschaftswachstum führten. Vietnam ist seitdem zum weltweit zweitgrößten Reisexporteur und zu einem der attraktivsten Investitionsstandorte der Welt geworden.
In den 90er Jahren wurden die diplomatischen Beziehungen zu China und den USA wieder hergestellt. Die USA hoben 1994 das Handelsembargo auf.
1995 wurde Vietnam Mitglied des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN).
Das Christentum in Vietnam
Im 17.Jh. brachten französische Missionare den katholischen Glauben nach Vietnam. Noch heute sind die meisten Christen in Vietnam katholisch. Die ersten protestantischen Missionare kamen 1911. 1927 verbanden sich die ersten Gemeinden zur Evangelischen Kirche Vietnams (ECVN, Evangelical Church of Vietnam). 1930 begann die Arbeit unter den Stammesleuten.
Es gibt heute drei Hauptzweige der Kirche: die registrierte „Evangelische Kirche Vietnams“, unregistrierte Hausgemeinden und die Bergstamm-Kirche. Von den 53 Stammesvölkern wurden bis jetzt 30 mit dem Evangelium erreicht.
Das wurde von der Regierung als potenzielle Bedrohung angesehen und Christen wurden als Konterrevolutionäre verdächtigt. Pastoren und Laien wurden inhaftiert, besonders in der Untergrundkirche, Christen wurden oft als Bürger zweiter Klasse behandelt.
Seit Februar 2001 haben die Einschränkungen der Regierung vor allem für die Bergstamm-Kirchen zugenommen. Man hört von gewaltsamen Schließungen vieler Kirchen, Inhaftierungen von Pastoren und verstärktem Druck, dem christlichen Glauben abzusagen.
Positiv ist, dass 1995 die vietnamesische Bibel endlich vor Ort gedruckt werden konnte und mittlerweile über 35.000 Bibeln verteilt wurden. Auch der Jesus-Film steht auf Vietnamesisch zur Verfügung. Kommentare, Kindermaterial und theologische Bücher werden dringend benötigt. Übersetzungen von passender Literatur ins Vietnamesische sind im Gange und werden heimlich gedruckt und verteilt.
2003 wurde nach 27 Jahren Wartezeit die Erlaubnis erteilt, das erste Bibelseminar wieder zu eröffnen; 50 Studenten werden dort zu Pastoren ausgebildet. Weitere Gemeindeleiter werden durch Fernbibelschul-Programme u.a. ausgebildet.
Im offeneren Süden gibt es heute etwa 1% Christen. Besonders wenige Gläubige finden sich unter den gebildeten jungen Leuten. Obwohl Ausländer nicht offiziell mit der vietnamesischen Kirche arbeiten können, gibt es doch viele Gelegenheiten, Einzelnen Christus zu bezeugen und sie zu schulen.
Die 36 Millionen Vietnamesen im Norden gehören immer noch zu den am wenigsten erreichten Gruppen in Ostasien. Es gibt dort nur etwa 0,05% protestantische Christen.
