Nordkorea
Die Demokratische Volksrepublik Korea ist wahrscheinlich das am meisten abgeschottete Land der Welt. Während die letzten 20 Jahre den Zusammenbruch des Kommunismus in der Sowjetunion und Osteuropa sowie die Öffnung der anderen kommunistischen Länder Asiens sahen, hat sich Nordkorea intensiv darum bemüht, weiterhin fest verschlossen zu bleiben.
- Bevölkerung
- Religion
- Sprache
- Geographie
- Klima
- Geschichte
- Wiedervereinigung
- Hungersnot
- Das Christentum in Nordkorea
Bevölkerung
- Gesamtbevölkerung: 23,5 Millionen (Deutschland: 82 Mio.; Schweiz: 7,6 Mio.)
- Bevölkerungsdichte: 195 pro km² (Deutschland: 231, Schweiz: 181)
Religion
- Nichtreligiös: 64,3 %
- Traditionell (Schamanistisch): 16%
- Chondogyo (“Religion des himmlischen Weges”): 13,5%
- Buddhisten: 4,5%
- Christen: 1,7%
Sprache
Mitte des 15. Jahrhunderts wurde “Hangul”, eine koreanische Buchstabenschrift entwickelt. Bis dahin benutzten die Koreaner zwei Sprachen, die aus der altaischen Sprachenfamilie stammende gesprochene Volkssprache, und die chinesische Schriftsprache als Amtssprache. Viele chinesische Wörter wurden in die koreanische Sprache übernommen. In der Grammatik ist Koreanisch dem Japanischen ähnlich.
Geographie
Korea ist eine gebirgige Halbinsel, die im Südosten aus der Mandschurei herausragt. Sie wird umgeben vom Japanischen (auch Koreanischen) Meer und dem Gelben Meer. Steile Gebirge und tiefe, enge Täler bestimmen die Landschaft. Die Fläche beträgt 120.540 km² (Deutschland: 357.000 km², Schweiz: 41.290 km²).
Klima
Nordkorea hat ein gemässigtes Klima mit regnerischen Sommern. Die Winter sind kalt, mit Schneestürmen und nord- und nordwestlichen Winden aus Sibirien. In den nördlichen Regionen sind die Winter besonders hart. Durchschnittliche Tiefsttemperaturen in Pjöngjang sind -13°C im Januar und 20°C im August, die Höchsttemperaturen liegen bei -3°C im Januar und 29°C im August.
Geschichte
Korea war 1910 bis 1945 von Japan besetzt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es zwischen den Besatzungsmächten USA im Süden und der Sowjetunion im Norden aufgeteilt. Nordkorea begann den Koreakrieg 1950 mit einer Invasion des Südens. Nordkorea wurde von China unterstützt, Südkorea erhielt Hilfe von den USA und UN-Truppen. 1953 wurde ein Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet. Heute sind Nord- und Südkorea durch eine der undurchdringlichsten Grenzen der Welt getrennt.
Die Geschichte Nordkoreas wird von Kim Il-Sung bestimmt, der fast 50 Jahre regierte und die Philosophie der „Juche“ einführte, auch bekannt als „Kim-Il-Sung-ismus“.
„Juche“ wird von der Nordkoreanischen Regierung verbreitet, seit Kim Il-Sung diesen Begriff 1955 in einer Rede zum ersten Mal verwendete. Der Begriff bedeutet „Selbstabhängigkeit“. Grundlage ist, dass der Mensch Herr aller Dinge ist, auch des eigenen Schicksals. In den ersten Jahren der Demokratischen Volksrepublik Korea war diese Ideologie ein strategisches Mittel, um ein Gefühl der nationalen Unabhängigkeit gegenüber China und Russland zu entwickeln.
In den 60er Jahren wurde die Kontrolle über die Wirtschaft von der Regierung in die Hände des Militärs gegeben, das sie ohne sowjetische Hilfe aufbauen sollte.
Kim Il-Sungs Charisma war ein Ergebnis sich ständig wiederholender, indoktrinierender Erziehungskampagnen. Von Nordkorea zu sprechen, ohne Kim Il-Sung zu erwähnen, wäre, wie über das Christentum ohne Jesus zu reden. Kim Il-Sung lehrte die Nordkoreaner, dass er und die Kommunistische Partei für alle ihre Bedürfnisse sorgen würde. Er wurde als allmächtiges, absolutes Wesen gesehen, als Erlöser.
Während der 1970er und 1980er Jahre begann Kim Il-Sung seinen Sohn Kim Jong-Il, damals Führer der koreanischen Eliteeinheiten, als Nachfolger aufzubauen. Mit seinem Tod 1994 wurde Kim Il-Sung die Position des “Präsidenten auf Ewigkeit“ verliehen. Sein Geburtstag wird heute noch als offizieller Feiertag begangen. Die Verehrung, die die Nordkoreaner ihm immer noch entgegenbringen, gleicht religiöser Anbetung.
Wiedervereinigung
Mitte der 1980er Jahre begannen sich die Beziehungen zum sehr antikommunistischen Südkorea zu verbessern und die Grenze wurde für seltene, kontrollierte Familienzusammenführungen geöffnet. 1994 wurden diese Beziehungen durch das Säbelrasseln Nordkoreas empfindlich gestört, das die Entwicklung von Kernwaffen vorantreiben wollte.
Im August 2000 arrangierten die Regierungen die Begegnung von 100 älteren Verwandten von beiden Seiten. Man hoffte, dass dies der Beginn einer weiteren Bewegung hin zur Wiedervereinigung wäre. Doch Nordkoreas Erwartungen von Wiedervereinigung enthalten eigene Bedingungen, wie z.B. die Vereinigung unter einem Führer, der über Politik, Religion, Bündnisse, Erziehung und Finanzen entscheidet.
Nordkorea macht immer wieder Schlagzeilen wegen seiner Raketentests und der Ankündigung, die militärische Nutzung der Atomkraft wieder voranzutreiben.
Hungersnot
Man geht davon aus, dass seit 1994 bis zu 3 Millionen Nordkoreaner verhungert sind. Der Aussenwelt wurde die Lebensmittelknappheit in Nordkorea 1991 bewusst. Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen und Dürreperioden wie in den Jahren 1996, 2000 und 2001, führten zu Missernten, dem Verlust von Agrarland und Arbeitsplätzen. Ausserdem wurden geschätzte 5,4 Millionen Menschen durch diese Lebensmittelknappheit zur Abwanderung in die Städte gezwungen. Ende der 1990er Jahre gelang es der Regierung nicht, die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Neben der grossen Zahl der Hungertoten führte dies zu Mangelernährung und Wachstumshemmungen bei Kindern. Viele Bürger versuchten, Lebensmittel zu stehlen oder nach China oder Südkorea zu fliehen. Es gab auch Berichte über Kannibalismus.
Das Christentum in Nordkorea
Das Evangelium kam 1866 nach Korea. Die erste evangelische Kirche entstand 1884.
Erweckung erlebte Korea von 1903-1908, besonders im Norden, aber mit Einfluss auf viele Regionen des Landes. Ein Grund, der für die grössere Empfänglichkeit im Norden genannt wird, ist die traditionell grössere Unabhängigkeit der Nordkoreaner, die im Vergleich zu ihren südkoreanischen Landsleuten weniger durch konfuzianische Regeln und Moralvorstellungen gebunden waren, und deshalb dem Evangelium offener begegneten.
Von 1906 bis 1910 wuchs die koreanische Kirche schnell. 1912 gab es unter den 12 Millionen Menschen ungefähr 300.000 Kirchenmitglieder.
Sorgfältige biblische Lehre war eines der Merkmale der Erweckung. 1910 begann die Kolonisation des Landes durch Japan und viele Christen wurden wegen ihres Glaubens getötet. Eine weitere Erweckung fand nach der Machtergreifung der Kommunisten 1945–47 in Pjöngjang statt. Ende 1946 hatte sich die Erweckung weit ausgebreitet, aber die Anführer wurden von den Kommunisten verhaftet.
Heute gibt es einige „Schaukirchen“, doch die meisten Gläubigen versammeln sich in Untergrund-Hauskirchen.
Der christliche Radiosender FEBC (Far East Broadcasting Company) sendet von Südkorea aus. Die Programme können aber nur mit speziellen Radios empfangen werden, da handelsübliche Radios meist schon auf die Regierungssender eingestellt sind. Damit soll verhindert werden, dass die Menschen ausländische Sender hören.
Es wird von bis zu 100 000 Christen berichtet, die aufgrund ihres Glaubens in Lagern als politische Häftlinge eingesperrt werden. Es gibt Berichte, wonach Christen wegen ihres Glaubens getötet wurden. Sie werden oft auch härter behandelt als andere Häftlinge und auf unbestimmte Zeit verurteilt (d.h., sie werden erst freigelassen, wenn sie sich von ihrem Glauben abwenden). Ihre Standhaftigkeit im Glauben stellt eine Bedrohung für Kim Jong-Il dar.
