Indonesien
Indonesien ist eine junge Nation, die von grosser Vielfalt geprägt ist. In keinem anderen Land dieser Erde leben mehr Muslime. Mit einer grossen Anzahl von unerreichten Völkern und Sprachgruppen stehen die Christen vor einer gewaltigen Herausforderung.
- Bevölkerung
- Religion
- Sprache
- Geographie
- Klima
- Vegetation
- Politik
- Geschichte
- Das Christentum in Indonesien
Bevölkerung
- Gesamtbevölkerung: 240 Mio. (Deutschland: 82 Mio.; Schweiz: 7,6 Mio.)
- Bevölkerungsdichte: 120 pro km²; Insel Java: 950 pro km² (Deutschland: 231, Schweiz: 181)
- Grosse Volksgruppen: Javanesen (98 Mio.); Sundanesen (30 Mio.); Maduresen (14 Mio.)
Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt auf der Hauptinsel Java. Damit zählt Java zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Erde.
In der Hauptstadt Jakarta leben über 8 Mio. Einwohner, in gesamten Einzugsgebiet sogar über 23 Mio. Fast die Hälfte der Indonesier lebt in städtischen Gebieten. Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, um Arbeit zu finden, und enden oft wegen der hohen Arbeitslosigkeit in slumähnlichen Wohngebieten. Die Armutsrate liegt bei fast 18%.
In Indonesien leben mehr als 200 Mio. Muslime (20% aller Muslime weltweit), mehr als in jedem anderen Land.
Religion
- Muslime: 86%
- Evang. Christen: 6%
- Katholiken: 3%
- Hindus: 2%
- Buddhisten und andere Religionen: 3%
Die indonesische Verfassung garantiert Religionsfreiheit und erkennt sechs Religionen an. Glaubensfreiheit wird aber oft durch Druck aus Familie und Gesellschaft sehr eingeschränkt.
Die christliche Bevölkerung ist nicht gleichmässig verteilt. Einige Gegenden haben einen sehr grossen Anteil an Christen (über 50%), aber in einem Grossteil Indonesiens herrscht der Islam vor (weniger als 1% Christen). Insgesamt gelten 127 Volksgruppen als vom Evangelium unerreicht.
Der Glaube vieler Muslime mischt sich mit der Angst vor der Geisterwelt. Animismus, Aberglaube und hinduistische Vorstellungen gehen Hand in Hand. Die Menschen führen okkulte Praktiken durch und gehen zum Geistheiler, leider auch manche Christen.
Sprache
Auf Indonesiens 6000 bewohnten Inseln leben etwa 300 Volksgruppen, die 737 verschiedene Sprachen und dazu noch viele Dialekte sprechen. Die Nationalsprache ist Indonesisch (Bahasa Indonesia) und wird von fast allen gesprochen; sie ist ein vereinender Faktor.
Geographie
Erdbeben sind häufig; Ende 2004 wurde der Norden Sumatras von einem Tsunami verwüstet.
Klima
Das Klima Indonesiens ist tropisch, mit einer Regenzeit von November bis April und einer Trockenzeit von Mai bis Oktober. Die Durchschnittstemperatur ist 28°C, in höheren Bergregionen 23°C. Sie verändert sich kaum über das Jahr. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch bei einem Jahresdurchschnitt von 80%.
Vegetation
Indonesien hat eine erstaunliche Artenvielfalt. Vulkanische Erde macht Indonesien zu einem sehr fruchtbaren Land. Das Land ist reich an natürlichen Rohstoffen und exportiert Öl, Gas und Produkte aus Landwirtschaft und Industrie.
Politik
Die indonesische Verfassung basiert auf fünf Grundsätzen, die “Pancasila” genannt werden. Diese betont den Glauben an den einen Gott, die Einheit der Nation und das Prinzip der Demokratie. Sie wird an den Schulen gelehrt und dient als Grundlage für das nationale, religiöse und gesellschaftliche Leben. Die Regierung hält gegen den Widerstand mancher islamischer Gruppen an der in der Verfassung garantierten Religionsfreiheit fest, aber nicht immer kann sie dem Druck zur Islamisierung standhalten.
Geschichte
Vor der Ankunft des Islams im 13. Jahrhundert hatte schon der durch Händler verbreitete Hinduismus und Buddhismus tiefe Spuren hinterlassen. Der Islam wurde von arabischen Kaufleuten bekannt gemacht und breitete sich zunächst oft friedlich aus, später aber auch gewaltsam.
Das Interesse der Europäer an Gewürzen im 15. Jahrhundert führte zu 350 Jahren holländischer Kolonialherrschaft. Nach kurzer japanischer Besatzung wurde 1945 die Unabhängigkeit Indonesiens ausgerufen. Sukarno wurde erster Präsident. 1965 übernahm General Suharto die Macht. Während seiner 30-jährigen Regierungszeit erlebte das Land einen gewissen Aufschwung, aber auch die Zunahme an Korruption und Unterdrückung. Im Zuge der asiatischen Wirtschaftskrise Ende der 90er Jahre musste er unter grossem öffentlichen Druck zurücktreten. Die darauf folgenden Präsidenten unterstützten demokratische Werte, 2004 kam es zur ersten direkten Präsidentenwahl. Susilo Bambang Yudhoyono, kurz SBY, wurde Präsident und 2009 wiedergewählt.
Das Christentum in Indonesien
Der christliche Glaube wurde im 16. und 17. Jahrhundert von den Portugiesen und Holländern nach Indonesien gebracht. Die Holländer verfolgten hauptsächlich kommerzielles Interesse und behinderten missionarische Anstrengungen sehr. Dennoch wurde die Bibel in dieser Zeit schon ins Indonesische übersetzt.
In Folge der Erweckungsbewegung in Europa wurden im 19. Jahrhundert viele neue Missionare ausgesandt, vor allem Deutsche und Holländer. Allmählich wandten sich ganze Volksgruppen Christus zu.
Leider waren die neuen Kirchen oftmals stark vom Ausland abhängig. Erst durch die Umwälzungen des 2. Weltkriegs wurden sie wirklich unabhängig.
Heute gibt es nirgendwo sonst in der Welt eine so grosse christliche Gemeinschaft inmitten einer muslimischen Gesellschaft. Vor allem in den Städten gibt es eine Reihe gut ausgebildeter Pastoren und Leiter. Mangel herrscht in ländlichen Gebieten. In der Vergangenheit unternahm die Kirche nur wenig Anstrengung, um Muslime mit dem Evangelium zu erreichen. In letzter Zeit hat sich aber ein grösseres Interesse an Mission entwickelt. Einheimische Missionsgesellschaften wurden ins Leben gerufen.
Da viele muslimische Volksgruppen weitgehend vom Evangelium unerreicht bleiben, benötigt es Mitarbeiter, die ein Herz für Muslime haben, unter ihnen leben und durch die Ausübung ihres Berufes dienen.
In den Städten gibt es verarmte Gesellschaftsschichten, die mit dem Evangelium weitgehend unerreicht sind. Hier werden Mitarbeiter gesucht, die durch ihr soziales Engagement Brücken für das Evangelium bauen.
Daneben wird aber auch die Arbeit mit den Kirchen fortgeführt, um sie für Mission zu gewinnen und auszurüsten. Diese Arbeit ist besonders wichtig, da indonesische Christen nur wenige Hürden überwinden müssen, um im eigenen Land kulturübergreifend arbeiten zu können.
Sei es in Studentenarbeit, theologischem Unterricht oder Literaturarbeit, es gilt, einzelne und auch Gemeinden zu begleiten und auszurüsten, sich der Herausforderung der unerreichten Volksgruppen zu stellen und Gottes Ruf zu folgen.
Prioritäten der ÜMG
- Durch ganzheitlichen Dienst an den Armen, Ausbildung und Entwicklungshilfe Gottes Liebe erfahrbar machen.
- Durch Evangelisation und Jüngerschaftsschulung einheimische biblische Glaubensgemeinschaften von Jesus-Nachfolgern in den unerreichten muslimischen Volksgruppen ins Leben rufen.
- Durch Ermutigung und Schulung die indonesische Kirche und Einzelne für den Dienst an Muslimen gewinnen.
