China
Die Volksrepublik China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde mit der viertgrößten Bodenfläche. Durch seine rasante wirtschaftliche Entwicklung steigt China zunehmend mehr zur Weltmacht auf.
Bevölkerung
- 1,35 Milliarden (16x mehr als Deutschland; 177x mehr als die Schweiz)
- Bevölkerungsdichte 140 pro km² (Deutschland: 231/ km²; Schweiz: 181/km²) Die Bevölkerungsdichte liegt im fruchtbaren Osten mit 400 Personen pro km2 deutlich höher als im gebirgigen Westen mit nur 10 Personen pro km2.
- 92% ethnische Han-Chinesen
- 55 staatlich anerkannte ethnische Minderheiten (Linguisten und Ethnologen unterscheiden weit mehr Volksgruppen), die unter einem starken Anpassungsdruck stehen, worunter eigene Tradition und Sprache leiden.
Das Bevölkerungswachstum wird staatlich erfolgreich kontrolliert, u.a. durch Ein-Kind-Politik und legale Schwangerschaftsabbrüche. Allerdings führen zunehmende Überalterung der Gesellschaft und ein Abnehmen der Geburtenfreudigkeit in Mittel- und Oberschicht zu einem langsamen Umdenken und vermehrten Ausnahmeregelungen.
China besitzt ein Heer von Wanderarbeitern (ca. 150 Millionen), die den Arbeitsplätzen in der Industrie folgend vom Land in die Städte gezogen sind. Da sie weiterhin auf dem Land registriert sind, genießen sie nur unzureichende Sozial- und Gesundheitsversorgung, ihre Kinder oft mangelhafte Schulausbildung.
China strebt eine Urbanisierung an. Die Landbevölkerung ist von 76% in 1990 auf 55% in 2008 gefallen, mit anhaltender Tendenz.
Religion
Nachdem Mao Zedong versucht hatte, alle Religionen auszurotten, besteht seit 1978 wieder Religionsfreiheit für Protestanten, Katholiken, Moslems, Buddhisten und Daoisten, wobei der Staat die letzten beiden als integralen Bestandteil chinesischer Kultur besonders fördert. Seit 2007 anerkennt die Regierung Religion als wichtiges Element im Leben ihrer Bürger und ermutigt religiöse Gruppen zu sozialem Einsatz, um eine harmonische Gesellschaft zu schaffen.
Daneben hat der Konfuzianismus Chinas Staats- und Gesellschaftsleben über die letzten 2 ½ Jahrtausende geprägt. Neben Philosophie und Soziallehre beinhaltet er auch religiöse Elemente wie den Ahnenkult. Seit 2004 gründet China weltweit Konfuzius-Institute zur Förderung chinesischer Sprache und Kultur.
Sprache
China besitzt seit über 3000 Jahren eine Schriftsprache mit etwa 80.000 Zeichen, von denen nur wenige tausend im Alltag benutzt werden. Es gibt etwa ein Dutzend Hauptdialekte. 1955 wurde Mandarin zur Staatssprache bestimmt, die in allen Schulen gelehrt und deren Beherrschung im Alltag erwartet wird. Die Alphabetisierungsrate ist in den letzten 50 Jahren beständig gestiegen und liegt heute bei 90%. Daneben sind viele Minderheitensprachen in Gebrauch.
Geographie
Von 9.573.000 km² Gesamtfläche kann nur ein kleiner Teil landwirtschaftlich genutzt werden.
- Berge: 43%
- Hochplateaus: 26%
- Wüstenzonen, vorwiegend hügelig und trocken: 19%
- Ebenen: 12%
Klima
In Abhängigkeit von Breitengrad und Topografie variiert Chinas Klima von bitter kalten Wintern bis zu tropisch heißen Sommern. Die meisten Landesteile sind vom Monsun geprägt mit einer Regenzeit im Sommer und Trockenzeit im Winter.
Geschichte
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die imperialistische Regierung gestürzt. In den folgenden chaotischen Jahren kämpften Nationalisten und Kommunisten um die Macht, bis 1949 die Kommunisten die Herrschaft über das Land erlangten. Die Nationalisten flohen nach Taiwan, wo sie eine eigene Regierung einsetzten und die Chinesische Republik ausriefen.
In der Volksrepublik China fanden die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen ihren Höhepunkt in der Kulturrevolution (1966-1976), die eine immense Armut über das Land brachte; jeder wurde auf den gleichen niedrigen intellektuellen, sozialen und ökonomischen Lebensstandard herabgezogen.
Mit seiner Politik der Öffnung führte Deng Xiaoping das Land in seine jetzige bedeutende Rolle im Weltgeschehen. Das BSP vervierfachte sich in den letzten 30 Jahren. Während in den Städten eine bedeutende, kaufstarke Mittelschicht heranwächst, nimmt die Landbevölkerung nicht im gleichen Maße am wirtschaftlichen Fortschritt teil, was neben Arbeitslosigkeit und Landverlust einer der sozialen Brennpunkte und möglichen Krisenherde ist.
Die erfolgreiche Austragung der Olympiade 2008 hat zu steigendem Nationalstolz beigetragen und Chinas Ansehen in der Welt gestärkt.
Das Christentum in China
635 n.Chr. kamen die ersten Nestorianer vom Nordwesten über die Seidenstraße nach China. Danach nahm christlicher Einfluss wechselnd zu und ab, war Jahrhunderte lang gar nicht vorhanden, bevor wieder neue Vorstöße stattfanden. Der Jesuitenpriester Matteo Ricci erhielt 1583 die Genehmigung, sich in China anzusiedeln. Obwohl er eine Kirche aufbaute, gelang es auch ihm nicht, das Christentum zu einer chinesischen Religion zu machen.
1949 gab es etwa 6000 Missionare in China und über 20.000 evangelische Gemeinden mit mehr als einer Million Mitgliedern. Auch wenn das Christentum immer noch nicht als einheimische Religion angenommen war, hatte es doch tiefe Wurzeln geschlagen. Die letzten Missionare mussten China 1952 verlassen.
In den folgenden Jahrzehnten wurde die chinesische Kirche isoliert und in den Untergrund getrieben. Kirchengebäude wurden geschlossen, Pastoren und Gemeinden verfolgt und verhaftet. Für die Außenwelt war es fast unvorstellbar, wie die Kirche diese Unterdrückung überleben könnte.
Als nach dem Tode Mao Zedongs wieder Nachrichten aus China herauskamen, offenbarte sich eine blühende Kirche mit etwa einer Million Mitglieder, am Leben gehalten durch Gottes Gnade und die Treue der chinesischen Christen sowie durch Gebete und Radiosendungen von außen.
1978 erlaubte Deng Xiaoping die Wiedereröffnung von Kirchen unter der Kontrolle der "Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung". Diese ist in den letzten drei Jahrzehnten sehr gewachsen; offizielle Berichte sprechen von 21 Millionen Christen in China.
Dennoch wollen sich viele Christen in China nicht der offiziellen Kirche anschließen, die ihrer Meinung nach zu sehr der Autorität der kommunistischen Regierung unterstehe und in erster Linie der Partei und erst an zweiter Stelle Gott diene. Diese Christen treffen sich in Hausgemeinden. Einige dieser Gemeinden sind isoliert, andere sind Teil gut organisierter Gruppen, die hunderttausende Gläubige zählen. Über diese nicht registrierte Kirche gibt es keine offiziellen Zahlen.
Wenn die Angaben auch variieren, dürfte eine Schätzung von insgesamt 50 Millionen Christen recht realistisch sein.
Auch heute noch stehen die Hausgemeinden unter großem Druck, sich von der Regierung registrieren zu lassen. Es gibt weiterhin Berichte von Verfolgungen, Verhaftungen von Pastoren, Beschlagnahmung von Material und Auflösung von Versammlungen.
Der Kampf um den Bau der Gemeinde Jesu Christi in China ist keineswegs vorbei, die chinesische Kirche braucht weiterhin Unterstützung und Gebet.
